Ich saß am 1.Mai am Aasee und hab eine ganze Weile Musik gemacht. Dabei hab ich natürlich auch ein paar meiner eigenen Songs zum Besten gegeben. Jemand, der ein paar von diesen gehört hatte sagte: “Deine Texte sind richtig nette kleine Geschichten. Du bist ein Geschichtenerzähler.” Zugegeben, in einer Hausarbeit würde man mir dieses Zitat anstreichen, weil es sicher kein O-Ton ist, aber sinngemäß wurde mir so etwas gesagt.
Was mir dabei auffiel: Genau das ist es, was ich sein will. Ein Geschichtenerzähler. In dem Interview beim SWR2 über Straßenmusik wurde ich auch gefragt, ob es eine Überwindung sei, so persönlich zu singen. Ich habe die Frage wohl damals falsch verstanden und nur darauf geantwortet, ob es eine Überwindung ist überhaupt Straßenmusik zu machen. Deswegen hier jetzt die richtige Antwort:
Es ist keine Überwindung so persönliche Texte zu singen und der simple Grund dafür ist, dass die Texte, nachdem ich sie geschrieben haben nicht mehr sehr persönlich sind. Klingt komisch, ist aber so. Meine Texte entstehen aus irgendeinem Gefühl oder irgendeiner Situation heraus. Das kann Kummer, Freude, Blödelei, Sex mit der Ex, Ärger darüber, dass der VFB Stuttgart verloren hat, Trunkenheit, der ganz normale langweilige Alltag, uvm sein. (Nicht alle dieser Situationen sind tatsächlich schon eingetreten…)
Wie auch immer die Texte entstehen. Es steckt natürlich ein Teil von mir da drin, allerdings lässt sich nicht ein einziger meiner Texte hundertprozentig auf mein Leben und mich übertragen und dieses Wissen macht sie für mich weniger persönlich, als sie vielleicht klingen. Das gilt natürlich umso mehr, je älter die Texte sind. Ich entwickle mich weiter, und was ich vor einem Jahr geschrieben habe, passt inzwischen vielleicht überhaupt nicht mehr in mein Leben. Deswegen sehe ich meine Text eher so, dass ich mir Menschen, Beziehungen und Geschichten erdenke. Ich habe nie das Rauchen angefangen, ich habe auch nie den Tag in der Wohnung verbracht und den Shopping-Kanal geguckt und ich habe nie davon geträumt die Socken einer Frau so lange zu berühren, bis ich ihre Pocken inhaliere (ja das ist einer meiner Texte…)
Wenn ein Lied also fertig ist – und das ist eine Tatsache, die ich selber am Anfang ziemlich erstaunlich fand – kann ich darüber urteilen, wie über jedes andere Lied, dass ich im Radio höre. Ich kann mich ab und an darin wieder finden und den Text mögen und dann ab und an kann ich mit dem Lied nichts anfangen, weil es gerade nicht zu mir passt. Ich habe dann eine Geschichte geschrieben. Nicht über mich, sondern über irgendwen da draußen. (Huhu, ist da wer..?)
Ich bin ein Geschichtenerzähler – nichts weiter.
Das ist aber nicht alles, was ich mitteilen wollte – wäre ja lächerlich. Ich habe nämlich eine neue Geschichte geschrieben. Die Geschichte heißt simpel und einfach Karl und hier findet ihr den Text. Ich möchte übrigens keine Klugscheißer-Kommentare hören á la: “Der Ruben, der Vollidiot, schreibt ein Lied, dass sich nich reimt.” Ich weiß dass sich die erste Strophe nicht reimt. Damit will ich das Konzept unterstreichen, dass die erste Strophe einen wenig perfekten, ganz normalen, langweiligen Jungen beschreibt, während in der zweiten der perfekte Lover beschrieben wird. Und jetzt bitte keine Kommentare á la: “Der Ruben, der Vollidiot, intepretiert seine eigenen Lieder.”
VERSE 1
Bin knapp 1,80 groß und hab ein warmes Herz
Bin ein freundlicher Geselle und reimen macht mir Spaß
Ich bin recht sportlich hab das Rauchen niemals angefangen
Ernähre mich ausgewogen und spaziere gerne durch den Wald
Verbringe viel Zeit mit meinen Freunden und tanze akzeptabel
Ich liebe Katzen steh auf die Beatles und auf Matthew Bellamy
Geh Sonntags Tennis spielen und in der Woche häng ich rum
Nichts davon macht mich perfekt aber zu dem der ich halt bin
Das alles weiß sie auch
Und es lässt sie trotzdem kaltCHORUS 1
Und weil er singt wie ein Gott und nach Frühling riecht
Weil er sportlich ist und meist im Fußball siegt
Weil er auf Tennis steht und spielt wie Michael Stich
Darum hat sie sich in Karl verliebt
Und nicht in michVERSE 2
Karl ist genau 1,86 braune Augen braunes Haar
Seine Beine sind geformt wie von nem Fußball-Superstar
Er hat ne Stimme schön wie Elvis trickst mit Feuer und Magie
Pflückt ihr Blumen aus den Feldern dichtet Lieder nur für sie
Schreibt ihr analoge Briefe die sie sich aufbewahren kann
Verjagt den Ex-Freund aus dem Garten droht ihm den Krankenwagen an
Schläft nach dem Sex nicht ein und bringt sie immer bis zum Schreien
Lässt sich ihren Namen Tätowieren und ritzt ein Herz in Bäume rein
Das alles will sie auch
Und darum lässt sie mich links liegenCHORUS 2
Weil er singt wie ein Gott und nach Frühling riecht
Weil er sportlich ist und meist im Fußball siegt
Weil er auf Filme steht von Roland Emmerich
Darum hat sie sich in Karl verliebt
Und nicht in michBRIDGE
Sie hat sich verliebt
In den Falschen verliebt
Sie hat sich verliebt
In den Falschen verliebtCHORUS 3
Weil er singt wie ein Gott und nach Frühling riecht
Weil er sportlich ist und meist im Fußball siegt
Weil er auf Juli steht und auf Ich+Ich
Darum hat sie sich in Karl verliebtUnd nicht in mich
Doch als sie merkte dass es Karl nur in ihren Träumen gibt
Hat sie ganz einfach resigniert und sich in mich verliebt
Und zum Schluss noch eine winzige Neuigkeit. Ich werde am Donnerstag gegen 12 Uhr versuchen im Peperoni auf der Gemüsebühne aufzutreten, das bedeutet, wer Zeit hat und Lust auf ein leckeres vegetarisches Buffett für 5€, dass mir sehr ans Herz gelegt wurde, darf vorbeikommen und mir zu hören. Ich kann halt nicht versprechen, dass ich dann auch wirklich spielen darf, weil ich nicht weiß, ob wer anders vor mir da ist, aber ich werde es versuchen.
Bis denn dann
Ruben
coole sache! Sieht so aus als ob ich dann ja wohl richtig was verpasst hab am 1.mai.
Kannst du am das ganze am Donnerstag auch etwas später probieren oder länger spielen? dann könnte ich es auch schaffen zu kommen
mfg